Games Convention goes Salonfähigkeit? Beobachtungen am Straßenstrich

„Na, Süßer? Hast du Lust mit mir zu spielen?“ Mit einem leicht abgekämpften Lächeln steht Denise in der gläsernen Eingangshalle. Sie trägt nicht mehr als ein weißes Triangel-Bikinioberteil, einen schmalen Stoffstreifen, der vermutlich als „Hotpants“ über die Ladentheke gegangen ist, und ein funkelndes Steinchen im Bauchnabel.

Knöcheltief im Sand auf und ab wippend, tänzelt die 20-Jährige zu Brazilectro-Rhythmen um einen knallroten Mini Cooper herum, lehnt sich an das Heck des Sportwagens und deutet mit einem unmerklichen Kopfnicken in Richtung der beiden Monitore, die im Kofferraum installiert sind.

gc Polizei gc MTV TRL mit Sido, B-Tight und Tony D gc Casemodding

Denise studiert in Magdeburg und bessert wie viele andere junge Frauen als so genannte „Hostesse“ bei einem der 500 Aussteller der Games Convention ihr studentisches Einkommen auf. Der Job bringt immerhin bis zu 150 Euro am Tag ein. Spärlich bekleidet sind sie alle. Alle lächeln, tanzen und posieren sie für irgendein neues Computerspiel, das in den kommenden Monaten auf den Markt kommen soll.

Sex sells, blabla. Allen Plänen zu Trotz, die riesige Computerspielmesse und ihre Produkte endlich familientauglich zu machen, entschieden sich die Aussteller letztlich für simple Marktstrategien und reizten lieber niedere Instinkte, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Dabei wollten die Messe-Macher der boomenden Gaming-Branche ein neues Image verschaffen. Daddeln sollte aus der Ecke der verpickelten Computerfreaks an die breite Öffentlichkeit gerichtet und salonfähig gemacht werden. Das ursprüngliche Programm der GC machte zur Realisierung dieser Pläne einen viel versprechenden Eindruck.

gc Reklame gc Interview gc Sacred2 gc Tony Hawk

So reservierten die Veranstalter eine von den fünf Hallen vollständig als Familienbereich, wo eine Plattform für kindgerechte Medien, Schulsoftware und den sinnvollen Umgang mit Spielen eingerichtet wurde. Zusammen mit einhundert Studenten betreute dort der Medienpädagoge Hartmut Warkus die Spieleinseln der “GC familiy”, wo Eltern mit ihren Kindern neue Software ausprobieren konnten.

Spiele für jedermann gelten als Markt der Zukunft. Große Fortschritte wurden deshalb im Bereich von Nintendo Wii und Co. gemacht. Sowohl die Spiele als auch die Empfindlichkeit der Controller werden ständig verbessert, so dass die Technologie inzwischen auch in bewährten Topseller-Games wie “Tomb Raider” oder “EA FIFA” eingesetzt werden kann.

gc Starcraft IIgc PES2008 gc Band

Der hauptsächliche Besucheransturm jedoch richtete sich nach wie vor an die traditionellen Genres für Computernerds. Für die Konsolen PS2 und PS3 wurde der neue Titel von “Pro Evolution Soccer” mit Großbildleinwänden, ohrenbetäubenden Sounds und etlichen Spielecken zum Testen präsentiert und von den Jurys mehrfach ausgezeichnet. In der neuesten Ausgabe von Konami erwartet den Spieler ein hoher Grad an Authentizität. Die Serie zeichnet sich seit Jahren durch ihren wirklichkeitsnahen Spielablauf ab. Mitspieler und Ball verhalten sich auf dem digitalen Rasen nahezu realistisch.

Auf das größte Interesse stieß neben „Pro Evolution Soccer 2008“ die Erweiterung des Klassikers “World of Warcraft” sowie die lang herbeigesehnte Fortsetzung von “Starcraft“. Hier entpuppte sich die GC zum wahren Zockerparadies. Wer einen Platz am Rechner ergattern konnte, gab ihn nicht so schnell wieder auf. Doch wer dem Bild eines wahren Gaming-Fans gerecht werden wollte, nahm auch mal ganz lässig die vier Stunden Wartezeit in der Schlange hin.

gc Rot gc LAN gc Formel1

Mit der Rekordzahl von 185.000 Besuchern ist die GC schließlich zu Ende gegangen. Das waren 2.000 mehr als im vergangenen Jahr, das angestrebte Ziel von mehr als 200.000 Besuchern wurde jedoch deutlich verfehlt. Dennoch zeigten sich die Veranstalter zufrieden. So sei die Messe deutlich internationaler geworden. Auch habe das Medieninteresse zugenommen.

Auf einer Fläche von 112.500 Quadratmetern prägten sich vor allem zwei Bilder ein, die die GC bestimmten: Endlose Warteschlangen, in denen die typischen Klischeedaddler mit fettigen Haaren und Karohemd vor abgeschlossenen Räumen anstanden – und halbnackte Hostessen, die die Optik der Messe in die Optik eines Straßenstrichs verwandelten. Ein Dresscode besteht auf der GC seit Jahren; vielleicht kommen die Aussteller ja auf die innovative Idee, ihn im nächsten Jahr einzuhalten.

Explore posts in the same categories: Aktuell, Leipzig

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.