Mit ihrer Software „SmartProjector“ hat die Bauhaus-Universität Weimar eine Technologie entwickelt, mit der Forschern in unterschiedlichsten Bereichen wie Unterhaltungselektronik, Architektur und der Medizin völlig neue Möglichkeiten offen stehen.
Es ist der Traum aller Fans von Computerspielen und virtuellen Welten: Digitale Spielfiguren verlassen ihren ursprünglichen Lebensraum auf der Mattscheibe und befinden sich stattdessen mitten im Wohnzimmer. Seite an Seite mit dem Spieler, verschmolzen mit der Wirklichkeit. Lara Croft tritt durch die Wohnungstür und macht es sich auf dem Sofa bequem. Was bisher nur eine verrückte Spielerei aus etlichen Science-Fiction-Filmen gewesen ist, könnte bald greifbare Realität werden.
Ein großer Schritt Richtung Zukunftsvision ereignete sich gerade in Weimar, als die Medienfakultät der Bauhaus-Uni die Lizenz ihrer Technologie „SmartProjector“ an das junge Unternehmen Vioso vergab. Das war der Startschuss zur Vermarktung einer Software, die verzerrungsfreie Bildprojektionen auf jedem Hintergrund ermöglicht.
Entstanden war die Idee vor fünf Jahren, als ein kleines Forschungsteam am Lehrstuhl von Juniorprofessor Dr. Oliver Bimber an einem Programm arbeitete, mit dem man Bilder und Videos projizieren kann, ohne dafür eine sperrige Leinwand mit im Gepäck haben zu müssen. So entstand die patentierte Erfindung „SmartProjector“, die es möglich macht, auf beliebig texturierten und geformten Oberflächen wie etwa Mauerwerk, Zimmerwänden oder Schwiegermamas kunterbunter Küchengardine zu projizieren − farbecht, verzerrungsfrei und ohne erkennbaren Qualitätsverlust.
„Der Beamer wirft zunächst verschiedene Raster an die gewünschte Oberfläche, anhand derer die strukturellen Eigenschaften mit einer Kamera analysiert werden“, erklärt Oliver Bimber. Der Computer berechne dann die einzelnen Pixel des Videosignals, so dass nach entsprechender Korrektur die Projektion in der richtigen Farbe und Helligkeit erscheint.
Die Möglichkeiten, die sich aus dieser Entwicklung ergeben, öffnen neue Horizonte: Theater und Festivals erstellen ganze Bühnenbilder per Beamer, historische Gebäude dienen als Leinwand für überdimensionale Außenprojektionen. Architekten werfen ihre am Computer erstellten Entwürfe auf die Wände leerer Wohnungen. Ärzte verbessern den Kontrast ihrer ausgedruckten Röntgenaufnahmen, indem sie eine digitale Bildkorrektur direkt auf die Kopien projizieren. Und Nachrichtenkorrespondenten könnten ihre Berichterstattung vor Ort mit Grafiken bereichern, was bisher nur direkt im Studio möglich war. Der Bluescreen scheint damit überholt zu sein.
„Vor allem in der Computerspiel-Industrie sehe ich viel Potential“, meint Bimber und startet ganz nebenbei einen Videoclip auf seinem Laptop, in dem kleine animierte 3D-Autos zu sehen sind, die, vom Beamer auf einen unaufgeräumten Schreibtisch projiziert, auf reale Kaffeetassen und Schachteln zusteuern, dort anecken und entsprechend ihre Richtung ändern. Eine derartige Überschneidung der Welten könnte zusätzlich durch das so genannte „Headtracking“-Verfahren bereichert werden, bei dem sich digitale Grafiken an die Perspektive des Betrachters anpassen und sich so je nach Blickwinkel im Raum zu bewegen scheinen. „Einige Firmen beschäftigen sich bereits mit dieser Weiterentwicklung“, weiß der Juniorprofessor. Die massentaugliche Umsetzung für den Markt würde neue Generation der Computerspiele bedeuten.
In der näheren Zukunft jedoch sieht Bimber eine andere Chance, dass seine Technologie zum wirtschaftlichen Erfolg wird: Mobiltelefone könnten mit integriertem Laserbeamer und der Software aus Weimar ausgestattet werden, damit Handybesitzer ihre Fotos und Videos nicht nur stets in der Hosentasche dabei haben, sondern diese auch noch an jedem beliebigen Ort in Großformat präsentieren können. Die Mobilfunkbetreiber werden sich womöglich bald um „SmartProjector“ und seine Entwickler reißen. Auf der CeBIT hatten sie ja gerade erst für Aufsehen gesorgt.


